Meditationsimpuls Pfingsten 2022

 Wie weit reicht Ostern?

 Meditationsimpuls zu Epheser 2, 4 - 6 und Psalm 138                                                            

 "Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe,

mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet.

Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben." (Eph 2, 4-6)

 

Wie weit reicht Ostern? Kurz vor Pfingsten, dem Ende der Osterzeit, liegt diese Frage nahe.

Paulus antwortet darauf im Epheserbrief sinngemäß: Ostern reicht weit! Viel weiter, als wir das überhaupt für möglich halten. Die Erfahrung von Ostern ist jedem Menschen zugänglich - und zwar schon jetzt im irdischen Leben.

Die Auferstehung Jesu bedeutet den größtmöglichen und fortdauernden Liebesbeweis Gottes an jeden Menschen. Sie ist die unüberbietbare Befreiung von jeder Form der Angst, besonders der vor dem Tod.

Der Tod ist ja die maximale Unfreiheit, weil er dem Leben keine Möglichkeit mehr lässt. Er trennt vom Leben. Wenn wir von Christus sagen, er sei "hinabgestiegen in das Reich des Todes", dann meinen wir: er hat unseren Schmerz geteilt, endlich, begrenzt und am Ende vom Leben getrennt zu werden.

Ostern bedeutet die unfassbare Mitteilung Gottes an uns:

"Ich führe euch ins Leben zurück - und zwar nicht erst, wenn ihr tot seid! Sondern schon dann, wenn ihr eure vielen kleinen Tode mitten im Leben erleidet.  Um euch meine zärtliche, verstehende, unendlich weite Liebe spüren zu lassen, sollt ihr durch Jesus Christus und seine Auferstehung wissen, dass ihr genauso wie er nicht im NIchts endet, sondern dass ich euch mit meiner Liebe umfasse, trage und erhalte.

Und dass ihr dies bereits jetzt in eurem Leben erfahren könnt. Gerade wenn ihr das Gefühl haben solltet, weit weg von mir zu sein, müsst ihr wissen: Ich bin und bleibe euch zugewandt. Ihr habt einen Platz bei mir."

Das meint Paulus mit Himmel: den Ort der Gegenwart und Nähe Gottes, der durch die Auferstehung Christi seither jedem Menschen offen, also zugänglich ist.

 

An Pfingsten hören wir ja erneut ein Osterevangelium: Christus tritt in die Mitte seiner verängstigten, verschlossenen Jünger und haucht sie an... Das arämische Wort für anhauchen bedeutet auch: jemandem Mut machen.

Seit Ostern spricht Gott jedem von uns unaufhörlich Mut zu.

Glücklich, wer diese Ostererfahrung machen kann.

Und sich in den Worten des Psalm 138 wiederfindet:

"Der Herr nimmt sich meiner an.

Gehe ich auch mitten durch große Not: du erhältst mich am Leben.

Du gabst meiner Seele große Kraft."

 

Dieter Müller