Meditationsimpuls Januar / Februar 2020

Gott löst aus Erstarrung

Meditationsimpuls zu Markus 2, 1 - 12:

"Als er einige Tage später nach Kafarnaum zurückkam, wurde  bekannt, dass er wieder zu Hause war. Und es versammelten sich so viele Menschen, dass nicht einmal mehr vor der Tür Platz war; und er verkündete ihnen das Wort.                                Da brachte man einen Gelähmten zu ihm; er wurde von vier Männern getragen. Weil sie ihn aber wegen der vielen Menschen nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab, schlugen die Decke durch und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab. Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten:            Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!

Einige Schriftgelehrte aber, die dort saßen, dachten im stillen: Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott? Jesus erkannte sofort, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was für Gedanken habt ihr im Herzen? Ist es leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.

Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause! Der Mann stand sofort auf, nahm seine Tragbahre und ging vor aller Augen weg. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten:                 So etwas haben wir noch nie gesehen."

 

Die Nähe Gottes bringt Menschen in Bewegung. Gott löst Erstarrung und Verkrampfung. Wo sich einer ohne Kraft und wie gelähmt fühlte, spürt er durch die verzeihende Liebe Gottes neue Kraft und Energie zum Handeln, aufrecht und selbstbestimmt Bis einer diese befreiende Erfahrung machen kann, müssen manchmal objektive und subjektive Hindernisse überwunden werden. Im Evangelium werden einige beschrieben. Man kann den Eindruck gewinnen, als habe der Evangelist einzelnen Personen und Gruppen in dieser Erzählung jeweils eigene Botschaften beziehungsweise Haltungen zugeordnet: mal sind es lähmende des Stillstands, mal befreiende der Bewegung. In welcher Person, in welcher Haltung finde ich mich wieder?

 

* Die Botschaft des Gelähmten ist zunächst: "Ich kann nicht! Ich kann nicht (mehr) laufen; ich kann nicht auf eigenen Füßen stehen und bin abhängig von anderen. Ich kann nicht wie ich will. Und ich kann nicht zu Jesus."

 

* Die Menschenmenge als objektives Hindernis verkörpert ebenfalls eine Botschaft des Stillstands:               "Wir können nicht! Wir können dir keinen Platz machen, wir lassen dich hier nicht durch. Es geht nicht."

 

* Dann die Schriftgelehrten. Was Markus sie denken lässt, sind lähmende Gedanken, Gedanken der Unbeweglichkeit: "Du darfst nicht! Du hast kein Recht dazu!" Als wollte Markus diese innere Haltung noch unterstreichen, erwähnt er ausdrücklich, dass sie "dort sitzen".

 

* Dagegen verkörpern die vier Männer, die den Gelähmten tragen, eine ganz andere Haltung:                         "Wir wollen und wir können! Wir wollen und wir werden diesen Mann zu Jesus bringen - und lassen uns darin durch nichts entmutigen und aufhalten. Wir akzeptieren keine Hindernisse, wir bahnen uns unseren Weg, auch wenn er ungewöhnlich ist." Es scheint fast, als gehörte besonders diesen Männern die Sympathie des Evangelisten, so, als wolle er mit ihnen seinen Lesern sagen: Wenn ihr Zugang zu Jesus finden wollt,             wenn ihr von ihm den aufrechten Gang und ein selbstbestimmtes Leben erhofft - dann müsst ihr bereit sein, ungewöhnliche Wege zu gehen und dürft euch dabei von nichts und niemandem aufhalten lassen!

 

* Und schließlich Jesus, der im Reden und Tun deutlich macht: "Ich kann und ich darf! Ich habe die Macht und den Willen, Menschen aus ihrer Lähmung zu befreien und den Stillstand ihres Lebens zu beenden. Ich sehe es und antworte darauf, wenn es Menschen wie diese vier Männer drängt so zu handeln, weil sie wissen, dass ihr Vertrauen in mich gerechtfertigt ist."

Jesus richtet diese Frage an jeden von uns: Was für Gedanken hast du im Herzen, welche Haltung bestimmt dein Leben?

 

Dieter Müller