Meditationsimpuls Sommer 2018

 

Vetrauen wagen

Meditationsimpuls zu Matthäus 7, 7 - 8

" In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet. Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet."

 

Bitten - suchen - anklopfen sind Handlungen, die etwas gemeinsam haben:

zum einen die Empfindung eines Mangels, eines ungestillten Bedürfnisses, einer Leerstelle im Leben eines Menschen;

zum anderen die Ahnung, die Erfüllung dafür nicht selbst herstellen zu können, sondern verwiesen zu sein auf andere. Gemeinsames Motiv aller drei Handlungen ist die Bewegung hin zum anderen.

 

Nur - wer bittet schon gerne? Sind wir nicht, mit einigem Recht, stolz auf unser selbstbestimmtes, unabhängiges Leben? Auf das, was uns aus eigener Kraft und Kompetenz gelungen ist?

Wer bittet schon gerne? Es ist das Herzeigen leerer Hände in einer Welt, deren Wirtschaft vom Versprechen lebt, möglichst rasch Hände füllen zu können. Prompte Wunscherfüllung gegen Bezahlung ist der Motor unserer Art zu wirtschaften. Und wie viele Menschen bleiben dennoch mit leeren Händen zurück?

Wer also bittet schon gerne? Leere Hände sind in unserer Gesellschaft gewiss keine Statussymbole.

 

Und wer sucht schon gerne? Wir überlassen das Suchen inzwischen lieber Navi-Geräten und Suchmaschinen.

Wer aber nicht das Suchen anderen überlassen sondern selbst finden und ankommen will, der braucht Orientierungssinn und Zeit, Geduld und Ausdauer. Verfüge ich darüber? Insbesondere die Suche nach Gott ist ja wesentlich eine, die nicht an andere delegierbar ist.

 

Schließlich noch das Anklopfen. Es setzt geschlossene Türen voraus! Aber wer steht schon gerne vor so einer Tür? Möchten wir nicht lieber eine offene Tür sehen - oder zumindest eine, die sich ohne unser Zutun, wie automatisch öffnet, wenn wir kommen? Möchten wir nicht lieber das Anklopfen vermeiden, besonders, wenn wir gar nicht erwartet werden? Denn wer anklopfen muss, riskiert, dass die Tür zu bleibt; dass er draußen bleiben und wieder gehen muss.

Bitten und empfangen; suchen und finden; anklopfen und öffnen: dies sind für Jesus Schritte auf dem Weg des Vertrauens. Denn nichts anderes sagt er in diesem Evangelium: Vertrau meiner Liebe zu dir, wenn du dich zu mir und zu den anderen auf den Weg machst!

Dieses Evangelium ist aber mehr als nur eine Handlungsempfehlung: es ist zugleich die Selbstbeschreibung Gottes:

Ich, Gott, bin der, der gibt, wenn du ihn bittest;

der da ist - ja mehr noch: der dir entgegenkommt, wenn du ihn suchst;

der dich erwartet und dir öffnet, wenn du anklopfst.

Denn wer zu mir spricht, redet nicht in einen leeren Raum hinein.

Bei mir, deinem Gott, findest du im Übermaß, wonach du suchst.

Ich schenke dir meine Liebe, wenn du nach ihr verlangst.

Ich weise dich nicht ab.  Ich öffne dir den Raum der Freiheit, den du zum Atmen brauchst.

Bei mir kannst du bleiben und Heimat finden.

 

Und weil das so ist, musst du nicht beschämt sein, wenn du nun auch bei anderen suchst und sie bittest und bei ihnen anklopfst. Und du musst gleichermaßen keine Sorge haben, zu kurz zu kommen, wenn andere nach dir suchen, bei dir anklopfen und dich bitten.

Denn wenn du dich im Vertrauen auf meine Liebe zu dir von anderen finden lässt und deine Tür öffnest und gibst - dann stehe ich in diesem Moment direkt neben dir.

 

 

Dieter Müller