Meditationsimpuls Ostern 2019

Gott führt ins Weite - die Ostererfahrung der Emmaus-Jünger

Meditationsimpuls zu Lukas 24, 13 - 35 und Psalm 18:

" Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?

Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem,     dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn?  (...)

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? (...)

 

Wo liegt Emmaus? Und wie weit ist es bis dorthin? -

"Ich brauche erstmal Abstand!" Wenn Menschen das sagen, haben sie fast immer nichts Gutes erlebt.

Kenne ich das auch? Wie sah die Situation aus, in der ich das sagen musste? Von wem oder was brauchte ich Abstand?

Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus brauchen auch erstmal Abstand, müssen weg von Jerusalem.

Jerusalem - das heißt für sie: enttäuschte Hoffnung und Schrecken, der Tod eines geliebten Menschen, Stillstand und Ende eines wunderbaren gemeinsamen Weges. Durch ihren Weg nach Emmaus gewinnen sie Abstand, verschaffen sie sich Luft - im doppelten Sinn des Wortes: zunächst äußerlich und räumlich, indem sie den Ort ihrer Enttäuschung tatsächlich hinter sich lassen. Aber auch innerlich verschaffen sie sich Luft: sie reden und tauschen sich aus. Zunächst zu zweit, dann mit dem Fremden, der zu ihnen gestoßen ist und ihnen Fragen stellt.

Die Art seiner Fragen zeigt ihnen, dass er unerhört großen Abstand zu den Ereignissen in Jerusalem haben muss. Dieser Fremde - woher kommt er? Und wer ist er?

 

Jedenfalls machen sie mit ihm unterwegs die gleiche Erfahrung wie mit dem lebendigen Jesus, den sie kannten und der ihre Hoffnung war: 

da ist einer, der ihr gefrorenes Herz in ein brennendes verwandelt und die Härte und Erstarrung ihres Lebens in Trauer auflöst;

da ist einer, der ihnen Luft zum Atmen verschafft und ihren Schritten und ihrer Seele weiten Raum eröffnet;

da ist einer, der ihren Weg mitgeht und ihm am Ende eine neue Richtung gibt.

 

Wie finde ich Jesus? Wie finde ich zu mir selbst? Das Evangelium der Emmaus-Jünger antwortet darauf so:

Vielleicht bist du wie einer dieser Jünger. Vielleicht brauchst du dafür den richtigen Abstand, braucht deine Seele genügend weiten Raum. Und jemanden, der mitgeht.

Erst dann können dir die Augen aufgehen. Vorher nicht.

 

Wo liegt Emmaus für mich?

Wie weit ist es bis dorthin?

Und wer geht mit mir?

 

Dieter Müller