Meditationsimpuls Osterzeit 2021

"Bleib bei uns!"

 Meditationsimpuls zu Lukas 24, 25 - 35:

"Da sagte Jesus zu den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.

Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.

Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt  und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach." 

 

Es gibt Sätze in der Bibel, in denen sich wie in einem Brennglas alle Sehnsucht der Menschen nach Gott bündelt. Einen solchen Satz sprechen die Emmaus-Jünger aus: "Bleib doch bei uns!"

Bleib doch bei uns - es ist dieser Satz, der alles sagt:

Lass uns nicht allein! Wir brauchen dich!

Du tust uns gut, deine Gegenwart bringt Klarheit und neuen Lebensmut in unser Leben.

Wir verstehen durch dich besser, was wir an Enttäuschung und Katastrophe erleben mussten.

 

Bleib doch bei uns!

Es ist eines jener Stoßgebete, die jeder im Herzen in jeder Sekunde nachsprechen kann:

Bleib bei mir, Herr!

Welches Echo löst dieser Satz in meinem Herzen aus, wenn ich ihn innerlich nachspreche?

Lukas scheint die Erzählung von den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus auch deshalb aufgeschrieben zu haben, damit jeder, der diesen Satz in seinem Herzen nachspricht, die Erfahrung der Emmaus-Jünger teilen kann. Denn das Glück dieser Jünger ist es, dass ihr Wunsch, ihre Sehnsucht, sich erfüllt.

Lukas schreibt ganz lapidar: Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.

Das ganze Glück des Glaubenden drückt dieser Satz aus.

 

Denn dies ist die eigentliche Ostererfahrung:

Der auferstandene Jesus, selbst wenn man ihn nicht sieht, hört den Ruf des Herzens.

Er geht mit hinein in das Leben jedes Menschen, der Jesus zu sich einlädt: Bleib doch bei mir!

 

Die Ostererfahrung der Jünger ist es, dass der auferstandene Christus nicht nur bei ihnen bleibt, sondern ihrem Leben wieder Sinn, d.h. eine neue Richtung gibt: zurück zur Gemeinschaft der anderen, zu denen man auf Distanz gegangen war. Weil sie die Nähe Jesu erfahren haben, suchen sie nun wieder die Nähe der anderen.

Und es entsteht eine andere Gemeinschaft als bisher: die Gemeinschaft derer, die wie die Emmaus-Jünger Ostern  - den auferstandenen Christus - erfahren haben. Es entsteht die Kirche.

 

Dieter Müller