Meditationsimpuls Februar 2019

Die Wohnung Gottes

Meditationsimpuls zu Offenbarung 21, 3 - 6a:

"Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!  Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen:    Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.

Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr. Er sagte zu mir: Sie sind in Erfüllung gegangen."

 

Ist diese Lesung nur Zukunftsmusik? Der Seher Johannes hört von Christus, das alles sei bereits in Erfüllung gegangen, sei zuverlässig und wahr. Gott wohnt demnach tatsächlich in unserer Mitte, er tröstet, lindert Trauer und schenkt neues Leben.

Wie kann man das erfahren? Gott selbst gibt den Hinweis: Such deine Mitte auf, dort wohne ich!                     Das heißt: Da bin ich - und zwar nicht bloß vorübergehend oder zufällig, sondern dauerhaft, wenn du das zulässt.

Wer Gott erfahren will, muss sich in seine Mitte begeben.

Jeder Mensch besitzt eine Mitte. Gemeint ist der innerste, unzerstörbare Wesenskern eines Menschen.

Im Begriff Meditation steckt ja das lateinische Wort für Mitte und so heißt Meditieren nichts anderes als:       "die Mitte aufsuchen."

 

Wo ist meine Mitte?

In der Stille muss ich nur wahrnehmen, um was meine Gedanken meistens kreisen, was mich beschäftigt und bewegt - und ich habe sie gefunden. Und womöglich auch gefunden, dass dort keineswegs Gott wohnt,    sondern dass meine Mitte bereits besetzt ist.

Genau an diesem Punkt aber beginnt überhaupt erst die Gottesbegegnung, zu der die Autoren der Bibel führen wollen. Wer merkt, dass sein Innerstes nicht frei ist, der sollte dessen Tür öffnen und alles verabschieden und gehen lassen, was sich dort aufhält. Also leer werden.

 

Denn Gott ist keiner, der sich in das Leben eines Menschen hineindrängt

Gott ist der, der an der Tür zur Seele jedes Menschen geduldig wartet.

Meister Eckhart, der große Mystiker des Mittelalters, drückt es so aus:

"Du brauchst Gott weder hier noch dort zu suchen.

Er ist nicht weiter als vor der Tür deines Herzens.

Dort steht er

und harrt

und wartet."

 

Weil er bei jedem einkehren und bleiben möchte. So haben viele Menschen auch Jesus erfahren.                     Wie oft berichten die Evangelien davon, dass es Jesus geradezu danach drängte, bei Menschen einzukehren, deren Wohnung bis dahin jeder gemieden hatte; deren Wohnung bis dahin verschlossen war! Und deren Leben durch die Gegenwart Jesu in ihrer Mitte verwandelt wurde. Vielleicht haben sie dadurch etwas für ihr Leben erfahren, was der Prophet Jesaja für die ganze Schöpfung so ausgedrückt hat:

"Gott hat diese Erde nicht als Wüste geschaffen, er hat sie zum Wohnen gemacht." (Jesaja 45, 18b)

Was für die Erde gilt, gilt auch für mich persönlich: Gott hat mein Leben nicht als Wüste geschaffen, er hat es zum Wohnen gemacht! Dies einmal meditieren....

 

Wer meditiert, der kann erfahren, was der Seher Johannes an anderer Stelle so beschreibt:

"Ich, Gott, stehe an der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir." ( Offb 3, 20).

 

Dieter Müller